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Lange Schlauchstrecke bei Großbrand

Veröffentlich am: 15.03.2026

Es ist früher Freitagabend, als über einem landwirtschaftlichen Betrieb am Ortsrand von Ettleben dichte Rauchschwaden aufsteigen. Wenige Minuten später heulen in mehreren Ortsteilen der Marktgemeinde die Sirenen. Alarm für die Feuerwehren aus Ettleben, Egenhausen, Rundelshausen, Schnackenwerth, Zeuzleben und Werneck.

Schon kurze Zeit später sind Martinshörner zu hören. Das Tragkraftspritzenfahrzeug der Feuerwehr Ettleben trifft als erstes an der Einsatzstelle ein und biegt auf den Feldweg zum betroffenen Gebäudekomplex ab. Während der Einsatzleiter die Lage erkundet, weisen ihn die Eigentümer ein: In einer Strohtrocknungsanlage kam es durch Funkenflug zu einem Brand. Der feine Staub, der sich in der Anlage abgelagert hatte, entzündete sich schlagartig.

Um die rund 250 Kühe im Stall zu retten, waren mehrere Mitarbeiter unmittelbar nach Brandausbruch in das Gebäude geeilt. Acht von ihnen gelten nun als vermisst. Für die Einsatzkräfte ist damit klar: Die Menschenrettung steht an erster Stelle.

Herausforderung Wasserversorgung

Neben der unklaren Lage im Gebäude zeichnet sich schnell eine weitere große Herausforderung ab: die Wasserversorgung. Der Betrieb liegt am nördlichen Ortsrand von Ettleben, die nächste feste Löschwasserversorgung über einen Hydranten befindet sich rund 350 Meter entfernt. Für einen angenommenen Großbrand reicht diese Fördermenge jedoch nicht aus.

Deshalb wird zusätzlich eine Wasserentnahme aus der rund 800 Meter entfernten Wern notwendig. Eine lange Schlauchstrecke quer durch die Ortschaft muss aufgebaut werden, um eine ausreichende Löschwasserversorgung sicherzustellen.

Unter Atemschutz beginnt die Suche nach den Vermissten

Mit dem Eintreffen der Wernecker Einsatzkräfte mit Kommandowagen, Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug, Drehleiter und Löschgruppenfahrzeug rüsten sich sofort zwei Angriffstrupps unter schwerem Atemschutz aus. Während ein Trupp in das stark verrauchte Gebäude zur Suche nach den Vermissten vorgeht, beginnt ein weiterer mit der Brandbekämpfung im Außenbereich. Die Feuerwehr Schnackenwerth unterstützt die Wernecker Kräfte bei der Menschenrettung mit einem weiteren Angriffstrupp.

Zeitgleich beginnen die Feuerwehren aus Egenhausen, Rundelshausen und Zeuzleben mit dem Aufbau der Wasserversorgung. Innerhalb kurzer Zeit steht zunächst die Versorgung über den Hydranten an der Schweinfurter Straße. Wenig später beginnt auch die Wasserförderung aus der Wern an der Alten Straße, quer durch die Ortschaft bis zur rund 800 Meter entfernten Einsatzstelle.

Besonders das Mehrzweckfahrzeug der Feuerwehr Egenhausen zeigt hierbei seine Stärken: Es ist speziell für das Verlegen langer Schlauchstrecken ausgelegt und kann vorgekuppelte Schläuche während der Fahrt ausbringen.

Nach 30 Minuten sind alle Vermissten gerettet

Nach rund 30 Minuten gelingt es den Einsatzkräften, alle vermissten Personen aus dem Gebäude zu retten. Um die Leistungsfähigkeit der aufgebauten Wasserversorgung weiter zu testen, wird anschließend zusätzlich die Drehleiter mit Wasserwerfer in Betrieb genommen. Dabei wird deutlich, wie entscheidend eine stabile Versorgung über mehrere Entnahmestellen bei größeren Brandeinsätzen ist.

Gut eine Stunde nach Alarmierung erklärt die Übungsleitung das Übungsende. Während viele Einsatzkräfte bereits mit dem Rückbau der Schlauchleitungen und dem Verstauen der Ausrüstung beginnen, treffen sich Führungskräfte, Übungsleitung und Beobachter zur Nachbesprechung.

Führungskräfte ziehen Übungsbilanz

Kommandant der Feuerwehr Werneck, Christian Kullick, spricht dabei die besondere Herausforderung von Einsatzübungen an. Trotz künstlichem Brandrauch und Effektbeleuchtung sei den Einsatzkräften stets bewusst, dass es sich um eine Übung handelt. Das damit verbundene Adrenalin eines realen Einsatzes lasse sich nur begrenzt nachstellen. Gleichzeitig betont er, dass Entschlossenheit und Geschwindigkeit im Ernstfall selbstverständlich vorhanden seien.

Die fachlichen Beobachter – bestehend aus den Übungsorganisatoren Manuel Mannuth und Florian Heidenreich sowie Kreisbrandinspektor Andreas Schraut und den Kreisbrandmeistern David Dittmann und Rainer Wischer – geben wertvolle Hinweise für zukünftige Einsätze und loben die gute Zusammenarbeit der beteiligten Feuerwehren. Im Mittelpunkt der Übung stand insbesondere das Verlegen der langen Schlauchstrecke, um für abgelegene Einsatzstellen gut vorbereitet zu sein.

Auch der zweite Bürgermeister der Marktgemeinde, Stephan Schäflein, würdigt das Engagement der Einsatzkräfte, die an einem Freitagabend ihre Freizeit investieren, um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten.

Zum Abschluss versammeln sich alle Beteiligten am Gerätehaus der Feuerwehr Ettleben zu einem gemeinsamen Essen. Gegen 21 Uhr sind auch die Wernecker Einsatzkräfte wieder am Gerätehaus angekommen – Fahrzeuge und Ausrüstung sind zu diesem Zeitpunkt bereits vollständig aufgerüstet und einsatzbereit.

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